Reiseberichte

Ostern in Molise

Mathilde Aspmair

Die diesjährige Osterreise führte uns in die Region Molise. Los ging es mit einem etwas mulmigen Gefühl: in den Tagen vor unserer Anreise hatte es in dem Gebiet ja heftige Unwetter gegeben, die Fernsehbilder von unpassierbaren Brücken, Schneemassen  und Überschwemmungen hatten doch einige Befürchtungen geweckt. Aber wir hatten Glück, wir mussten zwar ein paar Umwege fahren, aber sonst lief alles glatt.

Unser erstes Ziel war Campobasso, Hauptstadt der Region. Nach der sehr langen Anfahrt bezogen wir unser Hotel und gingen gleich zur Kathedrale, von dort startete die Karfreitagsprozession, bei der - begleitet von Gesängen - Statuen durch die Gassen der Stadt getragen werden.
Am nächsten Tag ging es zuerst nach Agnone, wo wir eine traditionsreiche Glockengießerei besuchten. Wir erfuhren viel über die verschiedenen Arbeitsgänge bei der Herstellung von Glocken. Weiter ging es dann zu einer Käserei. Die Käseproduktion hat in der Region eine sehr lange Tradition und spielt auch heute noch eine zentrale Rolle. Wir erfuhren auch viel über die Bedeutung der Transhumanz in den vergangenen Jahrhunderten: die Hirten zogen mit Tausenden von Schafen jedes Jahr im Herbst Richtung Apulien, um dort Futter zu finden, und kehrten im Frühjahr wieder in das gebirgigere Gebiet zurück. Eine Verkostung rundete den Besuch in der Käserei ab.
Nach einem ausgezeichneten Mittagessen ging es in die Nähe von Matrice, wo wir die gut erhaltene Kirche Santa Maria della Strada aus dem 12. Jahrhundert besichtigten. Die Kirche schmiegt sich gut in die Landschaft ein und strahlt viel Ruhe aus.
Am Ostersonntag besuchten wir am Vormittag den sehr reizvollen Ort Civitacampomarano. Dort statteten wir der gut erhaltenen Burg einen Besuch ab und schlenderten durch die engen Gassen auf der Suche nach Graffitis. Im Ort findet jedes Jahr ein Treffen von Graffiti-Künstlern statt, sie gestalten freie Hauswände neu. Der Ort ist einer der vielen Orte in der Region, die mit viel Einsatz und Kreativität gegen die Abwanderung kämpfen.
Das Osteressen fand in unserem Hotel in Campobasso statt - es war ein ausgezeichnetes vielgängiges Menu.
Am Nachmittag ging es zu Fuß durch die Stadt und in mehreren Etappen - von Kirche zu Kirche - hinauf zum Schloss, das über der Stadt thront.
Am vorletzten Tag unserer Reise besichtigten wir zuerst die Ausgrabungen von Sepino. Weiter ging es nach Frosolone, berühmt für die Messer- und Scherenproduktion und Mitglied der Vereinigung i borghi piu belli d’Italia. Letztes Ziel des Tages war die Stadt Isernia, wo wir nach dem Mittagessen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anschauten.

Bevor wir am Dienstag die Rückreise antraten, besuchten wir noch die Wallfahrtskirche Santa Maria del Canneto mit der berührenden Vergine del Sorriso.  Die gesamte Anlage ist ein Ort der Ruhe und Einkehr, von Nonnen gepflegt.
Letzte Station unserer Reise war die Benediktinerabtei San Giovanni in Venere, die bereits in den Abruzzen liegt. Besonders beeindruckend sind die Krypta und das Mondportal.
Nach einem  Mittagessen auf einem Trabocco ging es zurück nach Südtirol. Müde, aber mit vielen schönen Eindrücken von dieser historisch, kulturhistorisch und landschaftlich interessanten Region kehrten wir in unseren Alltag zurück.