Reise nach Lykien Ende Oktober 2025
Die Reise begann für mich am Sonntagmorgen um 4.33 Uhr, für andere Mitreisende sogar noch früher, mussten sie ja erst nach Bozen gelangen. Dementsprechend müde war die gesamte Gruppe, als sie um 20.30 Uhr im Hotel eincheckte. Am Flughafen hatte uns die Reiseleiterin, Frau Fercan Öniz, die uns bereits im Vorjahr in Kappadokien begleitet hatte, abgeholt. Nicht so früh wie am Vortag, immerhin aber bereits um 7.35 Uhr fahren wir mit dem Buschauffeur Eyup Koknar, der uns die gesamte Reise über begleiten sollte, von Antalya über Göynük Kemer immer dem Meer entlang bis Demre, dem antiken Myra, wo die Basilika des Hl. Nikolaus, das antike Theater und in den Felsen gehauene Grabstätten aus lykischer Zeit besichtigt wurden. Der Heilige wird besonders von russisch-orthodoxen Reisenden verehrt, die seine letzte (vermeintliche) Ruhestätte und sein ehemaliges Wirkungsgebiet in großer Zahl besuchen. Nach einer kurzen Fahrt stiegen wir auf ein Ausflugsboot um, von dem aus wir zum einen die unter Wasser liegenden, durch ein Erdbeben abgesunkenen Teile der Stadt Simena auf der Insel Kekova sehen konnten, uns zum anderen in einer abgelegenen Bucht in der Nähe des malerischen Dörfchens Kale Köy die Möglichkeit zu einem Bad im herrlich blauen und noch warmen Meer ermöglichte. Auch das Mittagessen an Bord war ein besonderes Erlebnis, die Weiterfahrt nach Fethiye etwas langwierig, galt es doch etwa 150 km zu bewältigen.
Der nächste Tag führte uns über die Stadt Dalaman zum Ausflugsort Dalyan und von dort durch das Dalyan-Delta zur hellenistisch-römischen Stadt Kaunos mit ihrem schönen Theater und den beeindruckenden Felsengräbern. Das Wetter erlaubte uns an diesem Tag noch die etwa halbstündige Fahrt durch das gesamte Delta bis zum sogenannten Schildkröten-Strand, dem sommerlichen Nistplatz der Meeresschildkröte Caretta Caretta, und wieder zurück zum Ausgangsort. Nach dem Mittagessen besuchten wir zwar die dortigen Schwefelquellen und Schlammbäder kurz, für einen weiteren Aufenthalt in den Bädern war es aber zu windig und zu nass.
Durch das Tal des „Großen Mäander“, des Flusses, dessen Bezeichnung seit jeher für die Windungen eines Flusslaufes auf der ganzen Welt steht, gelangten wir von unserem Nachtquartier in Kușadasi zum kunsthistorischen Höhepunkt der gesamten Reise, nach Selçuk, der Nachfolgesiedlung von Ephesus, einer der wichtigsten und bevölkerungsreichsten Städte des römischen Reiches im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Der Apostel Paulus verkündigte hier und in der umliegenden Gegend im Rahmen seiner dritten Missionsreise ab dem Jahre 54 etwa drei Jahre lang das Evangelium. Das riesige Ausgrabungsgelände, das unter der Federführung des Österreichischen Archäologischen Institutes seit Jahrzehnten wissenschaftlich betreut wird, hat viel Sehenswürdiges zu bieten, so zum Beispiel die berühmte Marmorstraße, das Mazaeus-Mithridates-Tor, die Agorà, das große Theater und die weltbekannte Celsus-Bibliothek. So manche Überraschung dürfte sich jedoch noch unter der Erde verbergen. Nach dem Mittagessen in dem auf einer Anhöhe gelegenen ehemals griechischen Dorf und Marienwallfahrtsort Sirince besichtigten wir kurz diesen heute sehr touristischen Hotspot, der am heutigen 29. Oktober, dem Tag der Republik, besonders stark besucht war.
Unser Nachmittag war neben der Besichtigung der Überreste der Johannesbasilika, die Kaiser Justinian einst dem Apostel Johannes weihte, dem Besuch des Ephesus-Museums in Selçuk gewidmet. Es beinhaltet die wichtigsten Fundstücke aus der naheliegenden Grabung im antiken Ephesus, darunter auch die Kultstatuen der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis. Ein kurzer Fotostopp ermöglichte uns einen Überblick über die Ausmaße des riesigen Artemistempels, der zu den sieben Weltwundern der Antike zählt, zu gewinnen, von dem jedoch von den ursprünglich 127 Säulen nur mehr eine einzige aus unterschiedlichen übriggebliebenen Säulentrommeln zusammengesetzte Säule übrig ist.
Einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten erwartete uns am nächsten Tag. Die berühmten blendendweißen Kalksinterterrassen wirken im ersten Moment wie abgerundete Formationen aus Gletschereis, ein weithin sichtbarer weißer Fleck in der Landschaft – Pamukkale, das antike Hierapolis. Die riesige Anlage der Stadt, die lange Hauptstraße, die sich mehrere Kilometer vom Nord- zum Südtor erstreckt, die Thermen, der Apollon-Tempel, das wunderschöne Theater und die
große Nekropole mit ihren Tumulusgräbern sind beeindruckend. Das Bad im warmen Thermalwasser im Hotelbecken und ein gutes Abendessen rundete den eindrucksvollen Tag ab.
Einige Mitglieder der Reisegruppe hatten sich zu einer Heißluftballonfahrt angemeldet, die ihnen am frühen Morgen des vorletzten Reisetages in der Türkei ermöglichte, Pamukkale, Hierapolis und die Ebene des Mäandertales aus luftiger Höhe zu betrachten, ein großartiges Erlebnis zum Sonnenaufgang.
Nach dem Frühstück und den letzten Bildern von Pamukkale und den weißen Sinterterrassen konnte auf der gegenüberliegenden Bergseite mit Laodicea eine weitere große Stadt, besichtigte werden. Sie war eine der frühesten christlichen Gemeinden im antiken Phrygien, die Ausgrabung erfolgte erst in den letzten Jahrzehnten, vor allem bekannt als reiches Handelszentrum und als eine der sieben Gemeinden, die in der Offenbarung des Johannes erwähnt wurde.
Antalya am Beginn der Reise, Antalya der krönende Abschluss der beeindruckenden Reise am letzten Tag in der Türkei. Der Vormittag war der Besichtigung der antiken Stadt Perge gewidmet, die sich etwas außerhalb der heutigen 2,6 Millionen-Stadt Antalya befindet. Eine weitere Stadt mit grandiosen Bauten, einem großen Theater, einem gut erhaltenen Stadion, verschiedenen Prachtstraßen und Zugangstoren und einer gut erhaltenen Stadtmauer. Den Nachmittag verbrachte die Reisegruppe damit, sich im Altstadtviertel und im Hafenbereich der im 2.Jahrhundert erbauten antiken Stadt Attaleia umzusehen und die Wärme des Tages zu genießen. Mit einem guten Abendessen in einem Restaurant über den Felsen der Hafeneinfahrt ging eine ereignisreiche Woche in Lykien zu Ende, die uns viel Neues gezeigt hatte und auch in mir die Neugier auf weitere Erkundigungen in der Gegend mit ihrer jahrtausendealten Geschichte geweckt haben.