1955 wurde der Verband als ein Akt der Selbsthilfe gegründet, um die Interessen der Mittel- und Oberschullehrpersonen besser wahrnehmen zu können.
Josef von Aufschnaiter
1955–1963
1955 wurde der Verband als ein Akt der Selbsthilfe gegründet, um die Interessen der Mittel- und Oberschullehrpersonen besser wahrnehmen zu können.
Am 20. Mai 1955 gegründet, ist der ASM am 20. Mai 2025 70 Jahre alt geworden.
Zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war für die Mittel- und Oberschullehrer Südtirols immer noch kein Stellenwettbewerb ausgeschrieben worden. Auch bei der Anerkennung ausländischer Studientitel stockte es. Im Gegensatz dazu waren 1955 bereits mehr als die Hälfte der Stellen im Grundschulbereich mit planmäßigen LehrerInnen besetzt.
Die Gründung des neuen Verbandes war also ein Akt der Selbsthilfe, um die Interessen der Mittel- und OberschullehrerInnen besser wahrnehmen zu können. Auch weil es erhebliche Unterschiede in der rechtlichen Situation der Mittel- und OberschullehrerInnen gab, war es eine erste wichtige Aufgabe der Vorstandsmitglieder Josef von Aufschnaiter, Heinrich Sterkele und Anton Zelger, gemeinsame Interessen beider Gruppen zu finden. Weiters musste man sich um die rasche Pragmatisierung der Lehrer, um die Bereitstellung von Mitteln für die ASM-Tätigkeit und um die Kontaktaufnahme mit den Fortbildungsinstitutionen im deutschsprachigen Raum kümmern.
Trotz aller Bemühungen des neuen Vorstandes zählte der Verband Ende 1955 erst 40 Mitglieder. Viele Lehrer trauten dem ASM offensichtlich eine Verbesserung der Lage nicht zu. Der Vorsitzende Josef von Aufschnaiter entfaltete nun eine umfangreiche Tätigkeit und stellte jene Bereiche in den Fokus der Aktivitäten des Verbandes, die für die nächsten Jahrzehnte maßgeblich sein sollten:
Einsatz für die rechtliche und soziale Besserstellung der Mittel- und Oberschullehrer
Schaffung der Möglichkeiten zur Fortbildung und
Ausarbeitung von Lehrtexten in jenen Fächern, in denen es keine brauchbaren Lehrbücher in deutscher Sprache gab.
Der drittgenannte Bereich hat heute zwar an Bedeutung verloren, die ersten beiden hingegen bilden bis heute das Hauptaugenmerk unserer Verbandstätigkeiten.
Die rechtliche und soziale Besserstellung der Mittel- und OberschullehrerInnen sollte in erster Linie durch die Erweiterung der Stellenpläne, die Ausschreibung der größtmöglichen Zahl an Stellen, die Anerkennung der in Österreich und Deutschland erworbenen Lehramtsprüfung als Doktorat und durch die Ausschreibung eines Stellenwettbewerbes in Bozen in deutscher Sprache erreicht werden.
Am 10. März 1960 wurde ein Sonderwettbewerb ausgeschrieben und in Rom in Form einer mündlichen Prüfung durchgeführt. Der ASM forderte nun vom Unterrichtsministerium die Ausschreibung eines ordentlichen Wettbewerbs, den Bau neuer Schulen und deren Ausstattung mit Medien, die Ausarbeitung von geeigneten Lehrtexten und die Einstellung eines Experten aus Südtirol im Unterrichtsministerium, der die vielen Mängel beheben helfen sollte.
Im Herbst 1962 erkrankte Josef von Aufschnaiter schwer. Schließlich erklärte sich Josef Strobl von Brixen bereit, den erkrankten Vorsitzenden zu vertreten und den Fortbestand des ASM zu gewährleisten.
Mit der Einführung der neuen Einheitsmittelschule, welche die Lateinmittelschule (eine Auslesemittelschule), die Vorbildungsschule und die Postelementarklassen ablöste, stieg die Zahl der Schüler sprunghaft an.
Bis 1963 besaßen nur etwa 7% der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols das Mittelschuldiplom, bei der italienischen Bevölkerung hingegen waren es etwa doppelt so viele. Da es nur wenige Lateinmittelschulen gab, konnten auch nur wenige die Oberschule und später die Universität besuchen. Es wurde versäumt, hier rechtzeitig die erforderlichen Korrekturen vorzunehmen und die Zahl der Stipendien für den Lehrernachwuchs zu erhöhen.
Das Fehlen von Lehrern für die Einheitsmittelschule wurde für die Schulverwaltung und den ASM das große Problem, weil nun Hochschüler und Maturanten eingestellt werden mussten, um den Schulbetrieb überhaupt erst zu ermöglichen.
Der ASM-Ausschuss arbeitete in der Sitzung vom 03.02.1968 eine Reihe von Vorschlägen aus, die verwirklicht werden sollten:
Anhebung der Zahl der Stipendien für Hochschüler, die sich auf den Lehrberuf vorbereiteten
Schaffung von Universitätskursen im Lande, die auch jenen Lehrern die Möglichkeit bieten sollten, das Studium abzuschließen, welche es abgebrochen hatten
Ausarbeitung von günstigen Stundenplänen für jene Lehrer, die beides bewältigen möchten: Studium und Unterricht
Ausarbeitung von Kriterien für eine eigene Rangliste der Supplenten
Abschluss einer Versicherung, damit Supplenten im Krankheitsfalle nicht mittellos dastehen (sie mussten nach 6 Tagen Abwesenheit entlassen werden).
Zur Verwirklichung der Punkte 2-5 konnte auch der ASM seinen Beitrag leisten. Die Supplenten schlossen sich im Rahmen des ASM zur „Interessengemeinschaft Supplenten auf Zeit“ (ISZ) zusammen.
Den Eindruck der Lehrer, dass Verantwortliche von Staat, Land und Gemeinden die Institution Schule zu sehr vernachlässigten, brachte der ASM-Ausschuss bei den ASM-Vollversammlungen der Jahre 1970 und 1971 klar zum Ausdruck. Die Vorsitzende des ASM, Frau Martha Ambach, zeigte anhand von Zahlen die besorgniserregende Zunahme der Supplenten seit 1950 bis zum Jahre 1970/71 auf und wies auf den großen Mangel an Schulräumen hin. Ihre Ausführungen fanden in Südtirol ein breites Medienecho. Der unmittelbare Erfolg hielt sich in Grenzen. Erst in den späten 70er und dann verstärkt in den 80er und 90er Jahren hat die Landesregierung viele neue Schulen gebaut und alte Schulgebäude saniert. Martha Ambach hatte aber die Öffentlichkeit auf den Bildungsnotstand hingewiesen. Für die Ausstattung mit zeitgerechten Medien setzte sich der ASM bei der Landesregierung mit Erfolg ein.
Gerade weil der ASM die Ausschreibung eines ordentlichen Stellenwettbewerbes, die Abschaffung der 6-Tage-Klausel, die Berücksichtigung von Südtirols Schulproblemen bei der Abfassung von nationalen Gesetzen nicht erreichte, er rechtlich die Beratung und Vertretung der Lehrer auch nicht übernehmen konnte, drängten ASM-Ausschussmitglieder und andere, die Gründung einer Gewerkschaft ins Auge zu fassen. Der ASM holte Informationen von bestehenden nationalen Schulgewerkschaften und vom ASGB ein und führte unter den Lehrern eine Meinungsumfrage durch. Er wollte erfahren, wie die Lehrer in der Gewerkschaftsfrage dächten und welcher Gewerkschaft sie sich am liebsten anschließen würden. Da die nationalen Schulgewerkschaften den Anliegen der Südtiroler Mittel- und Oberschullehrer nach wie vor kaum Interesse entgegenbrachten, setzte sich die Überzeugung durch, dass eine selbstständige Gewerkschaft für Südtirols Mittel- und Oberschullehrer geschaffen werden müsse.
Am 16.01.1973 gründeten ASM-Mitglieder die Gewerkschaft SMG = Südtiroler Mittelschulgewerk-schaft (später in SSG umbenannt). Die zahlreichen Erfolge zeigten, dass die Initiative richtig war und der ASM sich nun stärker der Lehrerfortbildung und der kulturellen Betreuung der Lehrer widmen konnte.
Die Tätigkeit des ASM wuchs im Verlaufe der Jahre mehr und mehr an, weil zum einen die Zahl der Mitglieder stieg und zum andern die Südtiroler Landesregierung nach der Verabschiedung der Durchführungsbestimmungen von Jahr zu Jahr höhere Beiträge gewährte.
Die Zahl der ASM-Mitglieder verdreifachte sich unter dem Vorsitz von Josef Strobl (von 300 auf über 900), der durch seine Fähigkeit, Meinungsunterschiede auszugleichen, viele Sympathien gewonnen hat. Die Mitgliederzahl verdoppelte sich dann noch in der Amtszeit des Vorsitzenden Alois Sparber und kletterte über 2000.
Es gelang dem ASM durch seine Beharrlichkeit in den Forderungen an die Südtiroler Landes-regierung, durch die zahlreichen Aussprachen mit dem Landeshauptmann und seinem Kultur-assessor, durch seine Stellungnahmen in der Öffentlichkeit zu aktuellen Schulproblemen und durch das Mitteilungsblatt Sprachrohr der LehrerInnen zu sein, das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Standesbewusstsein zu stärken und die Interessen der LehrerInnen wirkungsvoll zu vertreten. Dazu trugen auch das umfangreiche Programm an Fortbildungskursen, Exkursionen und die Besichtigung von Ausstellungen sowie die Lehrfahrten bei.
Die Zusammenarbeit mit der Landesregierung verbesserte sich deutlich, als der Mangel an Schulbauten und deren Ausstattung mit Medien in den 80er Jahren nach und nach behoben werden konnte und die Zahl der Supplenten sichtlich zurückging.
1955–1963
1963–1970
1970–1971
1972–1973
1974–1995
1996–2003
2004–2009
2010–2015
2016 bis heute
Im Rahmen der 70-Jahr-Feier im Oktober 2025 wurden den ehemaligen Vorsitzenden die ASM-Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Die ASM-Ehrenmitglieder Alois Sparber, Rainer Seberich und Josef Strobl sind bereits verstorben.
Alois Sparber war über zwanzig Jahre lang Vorsitzender des ASM. Sein ganzes Arbeitsleben hat er mit großem Einsatz, äußerster Zuverlässigkeit und pflichtbewusstem Arbeitseifer für die Südtiroler Schule und insbesondere für „seinen“ Arbeitskreis Südtiroler Mittel- und Oberschullehrer gewirkt und gekämpft. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer und später als Direktor der Lehranstalt für Kaufmännische Berufe und Fachoberschule für Tourismus „Robert Gasteiner“ war er seit 1972 im Vereinsvorstand des ASM aktiv und von 1974 bis 1996 mit viel Herzblut dessen Vorsitzender. In den vielen Jahren seiner Tätigkeit im Verband war er einerseits Ansprechpartner „seiner“ Lehrerinnen und Lehrer, andererseits auch Ansprech- und vehementer Diskussionspartner der Südtiroler Landesregierung, wenn es um die Belange und Interessen der Lehrerschaft ging. In seiner Zeit als Vorsitzender erbrachte der ASM wertvolle Tätigkeiten zur Unterstützung der Südtiroler Lehrerinnen und Lehrer, indem er Unterrichtsmaterialien in deutscher Sprache - Bücher und Broschüren - erstellen ließ. Zum festen Bestandteil der Verbandsarbeit wurde mehr und mehr auch der Ausbau der Fortbildung im Schulbereich. Die Organisation von Fahrten zu Ausstellungen, aber auch Kultur- und Bildungsreisen für Lehrerinnen und Lehrer wurden fixer Bestandteil unserer Programme.
Rainer Seberich war über Jahrzehnte Mitglied des ASM-Ausschusses und hat sich durch seine Mitarbeit in vielen Kommissionen zur Ausarbeitung von Landesgesetzen im Schulbereich und durch seine konstruktiv-kritischen Stellungnahmen zu bildungspolitischen Fragen verdient gemacht und vom ASM 1993 zum Ehrenmitglied ernannt.
In seiner aufgeschlossenen und kritischen Art setzte er sich in verschiedenen Funktionen für die Schule in Südtirol, die Besserstellung der Lehrerinnen und Lehrer und für einen zeitgemäßen Unterricht ein. Insbesondere lag ihm in den 1960er Jahren die Lösung des sogenannten „Supplentenproblems“ am Herzen. Anlässlich der ASM-Vollversammlung 1967 sprach er die Forderung nach einer Pädagogischen Hochschule aus, die die zukünftige Lehrerausbildung übernehmen sollte. Bereits 2 Jahre später konnten die ersten Brixner Hochschulkurse abgehalten werden. Die Jahre der Aufbauarbeit rund um die Südtiroler Schule beschrieb er später in seinem Buch „Südtiroler Schulgeschichte - Muttersprachlicher Unterricht unter fremdem Gesetz“.